| „As with many of his previous works, director Böhlich […] pays particular attention to psychological precision as well as vivid images, expressions and gestures […]” (German Films Quarterly)
German Films Quarterly
Bogey für "Du bist nicht allein"
(24.7.07)
Die Komödie "Du bist nicht allein" ist an diesem Wochenende auf Platz 10 der allgemeinen Kinocharts gestartet und auf Platz 3 der Arthouse-Charts. Der Film mit dem Traumpaar Axel Prahl und Katharina Thalbach in der Hauptrolle kam am Wochenende auf mehr als 1.000 Besucher pro Kino und erhält dafür den von dem Branchen-Fachblatt "Blickpunkt:Film" vergebenen Box Office Germany Award (Bogey). Bernd Böhlichs „Du bist nicht allein“ ist die warmherzig erzählte Geschichte vom zweiten Frühling des in die Jahre gekommenen Hans Moll, der, als die schöne, energiegeladene Jewgenia neben Familie Moll einzieht, ein Gefühl wiederentdeckt, das er längst vergessen hatte: verliebt sein, glücklich sein, die aufgeregte Hoffnung eines Verzückten. Er pflegt sich, macht kleine Geschenke,
ist aufmerksam und charmant: Mitten in der Gleichförmigkeit des Alltags wird Hans Moll ein anderer Mensch...
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Mond über Marzahn
Von Christian Buß
Melancholische Malermeister und alkoholkranke Akademiker: Der tragikomische Ensemblefilm "Du bist nicht allein" mit Axel Prahl und Herbert Knaup zeichnet die kleinen Verheißungen und großen Sehnsüchte in einer Berliner Plattenbausiedlung nach.
Berlin-Marzahn ist nicht unbedingt der schönste Fleck auf Erden, aber selbst hier ist man gelegentlich dem Himmel ganz nah. Zumindest, wenn man in einer der obersten Wohnungen der Plattenbautürme residiert. So wie der langzeitarbeitslose Anstreicher Moll (Axel Prahl), der seinen Balkon mit bescheidenen Wandgemälden verziert. [...]
Es ist eine Welt der kleinen Verheißungen und großen Sehnsüchte, die Bernd Böhlich ("Der Verleger") in seiner Tragikomödie leichthändig zeichnet. Der Elektro-Discounter am Bahnhof lockt mit tollen Angeboten, an der Tankstelle verteilen frühpensionierte Männer im Handy-Pappmaché-Kostüm Werbung fürs Flatrate-Telefonieren, und die schöne Russin kauft einer Friseuse deren alte Trockenhauben ab, um zu Hause freischaffend Haare zu schneiden. Ist hier am Ende also jeder seines Glückes Schmied?
Stiller Terror der Arbeitsagentur
So naiv kommt die Plattenbau-Träumerei, bei der man sich gelegentlich an Andreas Dresens "Halbe Treppe" oder Franziska Meletzkys "Nachbarinnen" erinnert fühlt, zum Glück nicht daher. Dabei beschwören Regisseur und Autor Böhlich mit leiser Ironie, was optimistische Gesellschaftsbeobachter gerne "soziale Durchlässigkeit" nennen. Doch in "Du bist nicht allein" steht dieses Wort lediglich für eine Art von Bewegung: Nach unten geht es immer. Und nur ganz selten geht es auch wieder ein Stückchen nach oben. Aber da sind Freundschaften, Beziehungen und Lieben manchmal eben schon längst auf der Strecke geblieben. [...]
Wellinek träumt davon, irgendwann wieder aus seiner uneingerichteten Plattenbauwohnung ins gelobte Eigenheimreich hinabsteigen zu dürfen. Dafür bemüht er sich sogar aufs zuständige Amt, wo man den studierten Physiker sogleich mit einem Hilfsarbeiterjob abfertigen will: Der stille Terror der Arbeitsagentur, so präzise und unpolemisch wurde er bis jetzt in kaum einem anderen Spielfilm in Szene gesetzt. Da sieht man gerne über die Schwachstellen in dem Ensemblewerk hinweg. Die Figuren sind in ihrer Psychologie nicht immer wirklich ausgefeilt, dramaturgisch werden ihre Schicksale zuweilen recht grob miteinander verquickt; die zaghafte Annäherung der Wellineks gegen Ende wirkt zum Beispiel ein wenig erzwungen.
Aber wie Bernd Böhlich in seinem ersten Kinofilm die gesellschaftliche Vertikale ausmisst, das zeugt von Feingefühl und subtilen Witz. Ausnahmsweise darf die Unterschicht in "Du bist nicht allein" auf die Bessergestellten hinabschauen - die eigenwillige architektonische Tristesse Berlin-Marzahn macht's möglich. Von den Plattenbaubalkonen auf die Einzelhausparadiese runterspucken zu können, so was nennt man wohl poetische Gerechtigkeit.
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